Monatsarchiv für Mai 2010

 
 

Walfisch oder Submarine

Heute haben wir noch etwas über die Traditionen russischer Seeleute gelernt: Es gibt den Glauben, dass Seelen verstorbenen Seeleute sich in Möwen verwandeln. Deswegen bemühen sich erfahrene Matrosen Seemöwen und andere Vögel zu schonen. Bislang haben wir kaum welche gesehen. Als ein wichtiges Meertier gilt den russischen Seeleuten der Walfisch. Eine Begegnung mit ihm gilt als gutes Zeichen. Wir haben heute auch eine Blasenspur im Meer gesehen. Aber, was raus ragte, war wohl eher ein Periskop von einem Stahlwal. Oder Seemannsgarn.

Der einsame Mann und das Meer

Nun sind wir seit fast zwei Tagen unterwegs und schon kurz vor Helsinki. Aber außer uns, kein Schiff weit und breit. Vor der russischen Küste sind uns zwar einige Frachtkähne begegnet. Aber das war es dann auch. Weit und breit über Stunden nichts zu sehen. Erst recht kein Segelschiff. Aufgelockert wird der Blick gelegentlich durch so genannte Kardinäle, Tonnen die vor Untiefen warnen. Ansonsten verläuft der Tag ruhig. Zum Mittagessen gibt es ein russisch-finnisches Picknick: Rote Beete, saure Gurken, Käse und Brot. „Marina Methanovskaja“ ist anständig mit. Muss allerdings von Lore ein wenig gefüttert werden. Und noch was, wir haben definitiv kein Sonnenstich!

"Marina Methanovskaja" wird gefuettert.

"Marina Methanovskaja" wird gefuettert.

Von der Küstenwache abgestempelt

Wir sind gestern aus freien Transitfahrwasser, auf der Strecke nach Helsinki, etwas abgetriftet und in nationale Gewässer gesegelt. Tja, dass führt halt zu Haapasaaren Osuuskaupa. Eigentlich sind wir dankbar, sonst wären wir um einige tolle Eindrücke ärmer. Unsere Idee, aus den vorhandenen Fahnen eine finnische zu schneidern, haben wir verworfen. Aber die Inselflagge findet Anklang. Freigestempelt von der Küstenwache segeln wir nun unter der Fahne von Haapasaaren Osuuskaupa bis Helsinki. Vermutlich wird es wieder ein langer Tag.

Hier wohnen echte Finnen

Zwischendurch wichtige informationen zu Haapasaaren Osuuskauppa:

Haapasaaren Osuuskauppa

  • noch kein Zugang zu Erdgas. Bis jetzt.
  • 300 Einwohner. Im Sommer. 20-30 im Winter. Der ist kalt. Kari beheizt daher extra seinen Wassertank (2000 Liter) unter dem Haus. Zur Not geht es in die Sauna.
  • Wasser und Strom kommt vom Festland Kottka. Faellt aber manchmal aus.
  • Eine emotionale Beschreibung: Der Fleck Erde ist traumhaft schoen. Ein bisschen wie das Auenland aus Herr der Ringe.
  • Fast alle Haeuser sind rot. Auch das der Kuestenwache. Also, superleicht zu finden.

Von Kari und dem Kleinwarenladen

Finnisch für Anfänger - Haapasaaren Osuuskaupa

Finnisch für Anfänger - Haapasaaren Osuuskaupa

Eine zweikoepfige Delegationsleitung setzt sich Montagmorgen um 7.30 Uhr in Bewegung. Inselrundgang. Aufklaerung. Hier schlaefst noch alles. Ein Kind sieht uns und weckt die Familie. Wir lernen Kari kennen. Und seine finnische Hilfsbereitschaft. Diesel, Frischwasser, kein Problem. “Ich helfe Euch”, laesst uns der pensionierte Fotograf (sieht eher wie ein echter Seebaer aus) wissen. Einzig die Frage nach der oertlichen Uhrzeit nimmt er mit lokaler Gelassenheit. Blickt zur Sonne und scherzt: Acht Uhr? Am Handgelaenk traegt er keine.

Baden mit Gaskartusche

Baden mit Gaskartusche

Der oertliche Kleinwarenladen ist nicht nur um diese Zeit, sondern montags grundsaetzlich geschlossen. Mit international verstaendlicher Gestik (Haende auf den Magen und Hunger jammern) brechen wir das Herz der Putzfrau.

Die Inselfahne

Sie verkauft und kurzerhand Lebensmittel – und eine Inselfahne. Was folgt ist ein Fruehstueck mit Ruehrei. Dann gehen wir bei 9 Grad Schwimmen (mit unserer Gasflasche). So gestaerkt wagen wir uns in die Hoehle der Loewen: die Kuestenwache wartet zur Passkontrolle.

Die Phantasie ist fahnenfluechtig

Welche Flagge ist hier falsch?

Welche Flagge ist hier falsch?

Noch einmal anderthalbstunden unter behoerdlichem Schutz (die Keustenwache weicht nicht von unserer Seite) segeln wir nach Haapasaaren Osuuskauppa. Immerhin haben wir die kleine Insel auf der Seekarte gefunden. Unterwegs werden wir ueber Lautsprecher freundlich darauf hingewiesen, dass wir immer noch unter russischen Flagge segeln. Bitte finnische Nationalfahne aufziehen. Ein kleines Problem, denn wir haben zwar deutsche, russische,daenische und schwedische Flagge neben dem Kartentisch gefunden. Aber das, was die finnische Fahne sein soll, ist definitiv die polnische. Wir wollen keine protokollarischen Verwicklungen und verzichten darauf, diese zu hissen. Wir kommen um 2.30 Uhr in Haapasaaren Osuuskauppa an. Ach ja, die Passkontrolle ist ab morgen frueh um 8 Uhr geoeffnet. Zumindest eine schwankungsfreie Rest-Nachtruhe beschert uns diese Zwangspause.

Raue See und rustikale Kuestenwache

Der Himmel faerbt sich rot. Die Nacht bricht ein. Ab 22 Uhr Schichtdienst, alles laueft nach Plan. Kurz vor 1 Uhr Nachts kommt die finnische Kuestenwache laengsseits. Wir sollen nicht bis nach Helsinki: Stattdessen sofort Kurs aendern zur Passkontrolle: in Haapasaaren Osuuskauppa.

Etwas Warmes braucht der Mensch

Nach einigen Stunden wird die See deutlich rauher. Und bei 6 Windstaerken das Kochen in der Kajuete zu einer sportlichen Herausforderung. Der Magen ist auch ohne Essen in Aktion. Einzig Amaury scheint sich nicht daran zustoeren. Spaghetti werden fuer die Crew serviert. Etwa Warmes bei Wellengang und kaltem Wetter (Hoechsttemperatur 12 Grad). Nicht allen tut das Essen nur gut. Sie teilen es wenig spaeter mit den Fischen. Hilft nichts, die Schichten fuer die Nacht werden eingeteilt: Denn wir wollen, so immer noch der Plan, von Vyborg gleich bis Helsinki.

„Schaschlik meets Feuerspiess“ oder “Wodka ist kein Grillanzünder”!

Russland ahoi!

Mit Wodka lassen sich schöne Sache machen. Ein irres Grillrezept, dass wir im Hafen von Vyborg vor dem Ablegen eingesammelt haben. Zum unbedingten Nachmachen wärmstens empfohlen. Und bitte beachten: Wodka ist kein Grillanzünder!


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Letzter Leuchtturm links (Backbord)

13.12 Uhr: Puenktlich zur Abfahrt in Vyburg lugt die Sonne heraus. Der Wind blaest absolut ausreichend, wie wir spater eindrucksvoll feststellen. Doch zuerst geht ein russischer Lotse an Bord. Der uns aus dem Hafen vorbei an kleinen Inseln und Kuestenstreifen unter Motor rausschippert. Dann werden Segel gesetzt, der “Pilot” geht von Bord, vorbei am letzten russischen Leuchtturm. Vor uns: 828 Seemeilen (1600 Kilometer).

Wolfgang - und der letzte Leuchtturm Russlands

Wolfgang - und der letzte Leuchtturm Russlands