Archiv der Kategorie ‘Tagestörns‘

 
 

Marina startet beim Citylauf

“Das wurde aber auch Zeit: nach einer Woche in Kassel haben mir meine Crewmitglieder endlich die Stadt gezeigt. Am Samstag war ich die Attraktion beim Citylauf in der Kasseler Innenstadt. Standesgemäß wurde ich in einer Schlauchbootsänfte transportiert. Schließlich ist meine Crew ja auf kundenorientierte Gaslieferungen spezialisiert! Herzliche Grüße, Eure Marina”

Angemessene Reisegeschwindigkeit

Startnummernvergabe

gutgelaunte Transporteure

Grande Finale in Greifswald

Auf der hohen Kante Richtung Greifswald: Die Crew ist auf dem Weg in den Zielhafen.

Marina in unser Mitte - auch sie kann es kaum erwarten endlich in Greifswald anzulegen.

Erschöpft, aber freudestrahlend in Greifswald angekommen: die WINGAS-Segelcrew

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Großer Bahnhof im Historischen Hafen: Nach zwei Wochen und mehr als 800 Seemeilen über die Ostsee, ist es nun soweit. Da ist er, der große Moment. Da sind sie, die großen Gefühle.

Die Big Band der Uni Greifswald spielt, während die Phantasie einläuft. Begleitet werden wir von einem historischen Segelschiff; WINGAS-Kunden und örtliche Prominenz samt Medienvertreter waren uns entgegen gesegelt. Hatten uns auf den letzten Meilen über die Ostsee zurück in den Heimathafen begleitet.

Gekommen sind auch Greifswalds Oberbürgermeister König und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering. Sie stehen schon am Pier. Zusammen mit unserem Geschäftsführer. Bevor uns irgendwelche Sentimentalitäten überwältigen können, ruft der Skipper zum letzten Manöver. Keine Wende, keine Halse. Fender raus und Boot anlegen. Zum Glück klappt es auf Anhieb, wäre auch peinlich bei den vielen Fotografen und Kameraleuten.

Skipper Tom Amery übergibt das erste russische Erdgas an Erwin Sellering, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, und WINGAS-Geschäftsführer Ludwig Möhring. Fernsehkoch Ralf Zacherl nutzt dieses Erdgas später für die Zubereitung leckerer Gerichte.

In einer kleinen Prozession tragen wir “Marina” auf eine Bühne. Es folgen herzliche Glückwünsche vom Ministerpräsidenten an die Crew. Ganz ehrlich, nach zwei Wochen rauer See können wir warme Worte ganz gut gebrauchen. Dann ist es soweit: Marina wird an den Gasgrill angeschlossen – und kann endlich ersten Druck abbauen. Starkoch Ralf Zacherl legt auf blauer Flamme auf. Es gibt Fisch: Seewolf am Spieß.

Ministerpräsident Erwin Sellering besucht die Crew an Bord der "Phantasie".

Nebelsuppe

4Uhr Nachts: dichter Nebel

“Right now we have Nebel dick wie Suppe,” mit diesen Worten begrüßt mich Tom um 1 Uhr nachts zur Wache. Die Sicht ist gleich Null, die See spiegelglatt und wir versuchen eine markierte Schifffahrtslinie zu orten, um sicher an den vielen Untiefen vorbeizufahren, die uns in den nächsten Stunden erwarten.

Wir haben das Gefühl nicht allein zu sein. Und dann tauchen sie auf, riesig und lautlos aus den Nebelschwaden. Frachtschiffe, Tanker und Fischerboote. Alle wollen mit uns in die sichere Fahrrinne. Mit Hilfe unseres Radarsystems fahren wir von einer Leuchtboje zur nächsten – sie zeigen uns den Weg. Um 4 Uhr ist meine Wache vorbei und der Nebel hat sich verzogen.

Geisterfahrt durch dichte Nebelschwaden: Arne und Tobias lassen den Radarbildschirm nicht aus den Augen

Der Nebel lässt uns keine andere Wahl: Navigation per Radar

Reparaturen in luftiger Höhe: Im Bootsmannstuhl ziehen wir Tom in die Mastspitze

Würstchen bei Windstärke 7

Oleg in der Bordküche: Bei 7 Windstärken bekommen Würstchen und Kartoffelpüree Flügel

Tom und Pia lassen sich Olegs Essen schmecken, trotz heftigen Seegangs

Ernste Gesichter, der Wind legt zu, die Sicht wird immer schlechter

Meuterei auf der Phantasie

Individuelle Vorbereitung auf unsere Fahrradtour rund um Bornholm: Müsliberge, die Inselkarte und vorbeugend: Schmerzgel

 Dänemark wir kommen. Nach einer weiteren durchsegelten Nacht laufen wir im Hafen von Roenne ein. Das ist die groesste Stadt auf der Dänischen Ostseeinsel Bornholm. Doch zuerst müssen wir in der Hafenbox festmachen. 

Gar nicht so einfach bei kräftigem Seitenwind. Nach 3 vergeblichen Parkversuchen folgt das finale Manöver. Leider streifen wir dabei die Nachbarjacht und der Besitzer, ein Rechtsanwalt aus dem Ruhrgebiet, ist ‘not amused’. Ein kleiner Kratzer ziert nun sein Jachtheck. Die Versicherungsformalitäten sind jedoch schnell geklärt und in unserer Doppelbox herrscht Frieden.  

Gleich starten wir unsere Radtour rund um Bornholm, Marina kann es kaum erwarten

  

Jedenfalls beinahe. Denn Marina ist die Seglerei zu langweilig. Sie jammert, beklagt sich über zu wenig Zuwendung und droht mit Hungerstreik.  

Bevor unser Energiebündel entgültig eine Meuterei anzettelt besänftigen wir sie mit einer Radtour: sicher auf dem Kindersitz von Tobias Fahrrad festgeschnallt wird sie nun einmal rund um die Insel kutschiert – und geniesst die Sehenswürdigkeiten Bornholms.  

Diese 400 Jahre alte Rundkirche haben wir auf unserer Radtour entdeckt

  

Nicht nur auf dem Wasser suchen wir die Herausforderung: 4 Matrosen der 'Phantasie' in den Baumwipfeln Bornholms

Besuch bei den Seehunden

Es ist 13 Uhr. Endlich haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. Nach der stürmischen Nacht ein beruhigendes Gefühl. Wir sind auf Utklippan, einer kleinen Naturinsel etwa 20 Meilen vor der schwedischen Küste. Laut Karte gibt es auf Utklippan eine Sauna, einen Kiosk und einen Grillplatz.

Tobias mit Utklippans Inselwaerter Jourdan und seiner Frau Lisa

Endlich – wir haben sie vermisst auf hoher See: die Annehmlichkeiten der Zivilisation.  Wir vertäuen die Phantasie sicher an der Hafenmole und gehen mit dem inseleigenen Ruderboot auf Entdeckungsreise. Als wir schließlich enttäuscht wieder an Land festmachen – mehr als ein verschlossenes Saunahäuschen, einige Holzkohlereste und Scharen angriffslustiger Möwen konnten unsere müden Segleraugen nicht erspähen – begrüßen uns Inselwärter Jourdan und seine Frau Lisa.

Lagebesprechung: erkunden wir die Insel von Westen nach Osten?

Nein, die Sauna könnten wir leider nicht nutzen, erklärt Jourdan entschuldigend – denn den Saunaschlüssel habe der Inselchef. Und der mache einen Ausflug aufs Festland. Gleiches gelte für den Kiosk.

Also keine Sauna und keine schwedischen Hotdogs für uns. Doch Jourdan berichtet von einer Robbeninsel, direkt vor der Hafeneinfahrt von Utklippan. Klar, dass wir uns die nicht entgehen lassen. Als Belohnung für den schweißtreibenden Ruderausflug zur Robbeninsel begrüßen uns dort schließlich knapp 50 neugierige Seehunde mit lautem Heulen und folgen uns auf unserer Rückfahrt sogar bis in den Hafen.

Unsere Enttäuschung über die verschlossene Sauna ist mit diesem Naturabenteuer endgültig vergessen.

Wir entdecken schwere Geschütze auf der Insel

Wolfgang, Tom und Arne starten zur Seehundkolonie

Die Ostsee ist wütend

Heute Nacht haben wir ihn erlebt: unseren ersten Sturm (“blanker Hans”) an Bord der Phantasie. Es ist ein Uhr nachts, gleich beginnt meine Wache. Wie eine Nussschale geigt und stampft das Schiff durch die Wellen, wirft uns mit jedem neuen Brecher im Bett herum, an Schlaf ist nicht zu denken. Schnell anziehen. Jeder Schritt dient der eigenen Balance, die Arme suchen ständig nach Halt. Tom und Wolfgang stehen am Kartentisch unter Deck und werten die neuesten Wetterdaten aus:

7 Windstaerken aus Nordost, 2 Meter hohe Wellen. Die Ostsee ist wütend.

Ich ziehe mir die Kapuze enger um die Ohren und ein zweites Paar Handschuhe an und klettere an Deck. Jede Unterhaltung ist erstorben, der Sturm reisst uns die Wörter aus dem Mund. Um nicht bei einer unberechenbaren Schiffsbewegungen über Bord zu fallen herrscht Anleinpflicht, dafür hat jede Rettungsweste einen Stahlhaken mit Leine, die bei Betreten des Decks sofort eingeklinkt wird. Die vorherige Schicht ueberlaesst uns erschöpft das Kommando und zieht sich in die warmen Kojen zurück.

Zu zweit Nachtwache zu haben bedeutet eine klare Rollenverteilung: ein Matrose steuert, der andere erledigt den kompletten Rest – das heisst Schoten fieren (für Nichtsegler: Leine lassen), Schoten dichtholen (Leine anziehen) und für Heissgetraenke-Nachschub sorgen. Den schwierigeren Job hat aber der Steuermann: eine 15 Meter lange Jacht durch die brodelnde See zu steuern – heute Nacht mit Geschwindigkeiten von bis zu 10 Knoten – das verlangt Mut und eisernen Willen. Jede Ruderbewegung muss stimmen, ständig muss gegengesteuert werden, um nicht auf den Wellenkaemmen aus dem Kurs zu laufen – sekundenlang ist das Schiff dann nicht steuerbar und hört nur auf den Takt der Wellen.

Das ist keine Kaffeefahrt.

Um 3 Uhr können wir der schwedischen Marine, die sich über Funk nach unserem Befinden erkundigt, abflauende Winde melden. Mit steifgefrorenen Fingern krabbeln wir in die Kojen – gute Nacht blanker Hans.

Erste Wellen brechen an Bord

Hello and Goodbye Visby

Mit einem perfekt getrimmten Blistersegel bringt Skipper Arne unsere 'Phantasie' auf Touren: 8 Knoten zeigt die Logge

Mit der schwedischen Insel Gotland haben wir heute ein echtes Insel-Kleinod entdeckt: ohne direkte Landverbindung und nur mit Fähre, Segelschiff oder Flugzeug erreichbar entzückt uns die Insel mit ihren kleinen Gassen, alten Ruinen und einer Eisdiele, die mehr als 30 Sorten sündhaft gutes Eis an Touristen und Einheimische verkauft. Noch ist auf Gotland Vorsaison, doch – so berichtet der Eisverkäufer – nach dem schwedischen Mitsommernachtsfest – dem offiziellen Start der Hauptsaison auf Gotland – werden aus 60 000 Einwohnern 400 000. Bevor also die Touristenhorden einfallen, erkunden wir die Insel. Und weil uns die Fahrradtour in Stockholm so gut gefallen hat, schwingen wir uns wieder aufs Radl. Strahlender Sonnenschein und ein leichter Sommerwind sind unsere Begleiter. Wieder im Hafen angekommen spüren wir die durchsegelte Nacht (24 Stunden Nonstop von Stockholm nach Visby) in den Knochen: nachdem uns Wolfgang mit echt bretonischen Crepes beglückt hat liegt die komplette Mannschaft um 22 Uhr in den Kojen. Auch Marina und Lady Tweety haben ihre immer heftiger werdenden Zankereien beendet und sich in ihre beiden Salonecken zurückgezogen. Das ganze Boot schläft. Mit dem Schnarchen mancher Bordmitglieder übertönen wir jetzt sogar die Baggerschiffe, die in unserem Hafen oder besser “Industriehafen” auch nachts quietschend und kreischend tonnenweise Rindenmulch in LKWs verladen – keine wirklich schöne Geräuschkulisse – weder am Tag noch in der Nacht….

Am nächsten Morgen überrascht uns Tobias mit einem hervorragenden Rührei. Das Kraftfutter brauchen wir, denn der Windmesser kündigt eine steife Brise aus Osten an: perfekter Blisterwind. Neuer Kurs: Oeland oder Utklippan, je nachdem ob uns die Windgötter gewogen bleiben. Ahoi und Goodbye Gotland!

Kaum haben wir den Hafen in Visby verlassen, fordern die Extrembedingungen an Bord ihren Tribut

Skipper Arne laesst unser Schiff über die Wellen fliegen, Visby verschwindet am Horizont

Besuch vom schwedischen Jet-Set

Dass Sektkorken auch auf der Ostsee prima knallen, haben wir heute bewiesen: Tobias, eines der 3 neuen Crewmitglieder hat Geburtstag und sorgt mit Sekt, Luftschlangen und Geburtstagskuchen in unserem Hafen in Stockholm für Aufmerksamkeit. Die gute Stimmung muss auch unser 9. Crewmitglied angelockt haben: Lady Tweety. (Prall gefüllt mit Edelgas).

Happy Birthday: Tobias mit Edelgas-Tweety. Und Sekt.

Unterwegs mit dem erweiterten Hofstaat der schwedischen Kronprinzessin Viktoria und ihrem Verlobten Daniel, gönnt sie sich eine Pause auf unserer “Phantasie” von der glamourösen Jetsetwelt. (Als wir den Hafen verlassen haben wird uns klar warum Lady Tweety unser Boot dem Stockholmer Jet Set vorzieht: Auf der Hochzeitsgästeliste wurde sie angeblich “vergessen”.)
Gastfreundlich wie wir sind bekommt sie einen Schlafplatz im Wohnzimmer – bei Marina Methanovskaja, die anfangs auch grosszügig einen Teil ihres Salons an Lady Tweety abgibt. Während Marina von ihrem angestammten Platz unter dem Kartentisch in der Kajuete unsere Manöver und Wachwechsel beobachtet, schwebt Lady Tweety an der Salondecke. Ihre Kommentare (nicht immer die qualifiziertesten) erreichen uns daher von oben herab. Nachdem Marina Lady Tweetys Spitzen anfangs noch mit stoischer Gelassenheit an ihrem Stahlkörper abprallen lässt, macht sie sich im gotländischen Visby grummelnd aus dem Staub zum Landausflug. Wir folgen ihr.

Das muss auch mal gesagt werden

Lange Zeit ist die Nord Stream Pipeline als ein rein deutsch-russisches Projekt beschrieben worden. Dabei, das ist mittlerweile wohl jedem klar, hat es europäische Dimension. Auch unsere “Phantasie” ist durch und durch europäisch. Vier Sprachen werden an Bord gesprochen. Englisch, Deutsch, Franzoesisch und Flämisch. Je nachdem, wer gerade mit wem spricht. Regeln gibt es keine. Und trotzdem klappt die Kommunikation ohne Missverständnisse. Auch ansonsten ist die “Phantasie” vorbildlich. Teambuilding, Krisenkommunikation – dafür gibt es woanders kostspielige Seminare. Unser Tipp: Einfach mal auf engstem Raum ein paar echte Herausforderungen gemeinsam angehen. Entweder, es kracht gewaltig, oder am Ende ist eine neue schlagkräftige Truppe entstanden. Die füreinander und das Unternehmen durch dick und dünn geht. So ist das bei uns, der Crew der “Phantasie”. Heute gehen mit Lore und Amaury zwei belgische und mit Michael ein deutscher WINGAS-Kollege in Stockholm von Bord. Drei neue Crew-Mitglieder – Tobias, Verena und Oleg – stossen für die zweite Woche bis Greifswald dazu. Ändern wird sich an der guten Stimmung sicher nichts. Nur: Jetzt wird an Bord auch noch Russisch gesprochen. Eine weitere europäische Sprache. 

Die WINGAS-Crew in Stockholm. Im Hintergrund das Wasa-Museum und die